Cargo Cult Scrum
Vor sieben Jahren kam die Order von ganz oben: „Wir werden jetzt agil. Wir machen jetzt Scrum.“
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Vor sieben Jahren kam die Order von ganz oben: „Wir werden jetzt agil. Wir machen jetzt Scrum.“
Es gibt Gebäude, die wirken auf den ersten Blick einfach nur leer. Auf den zweiten Blick aber erzählen sie eine Geschichte von jahrzehntelangem Wegschauen, verpassten Chancen und stillschweigender Kapitulation. Und wenn es dann brennt, landet diese ganze Geschichte unweigerlich vor den Stiefeln der Feuerwehr. Wir können nicht wählen, ob wir ausrücken. Wir können nicht sagen: „Dieses Objekt ist uns zu blöd, das brennt ja sowieso wieder.“ Wir stehen da, wenn es losgeht, egal wie verwahrlost, egal wie gefährlich, egal wie vorhersehbar der Einsatz war.
Drei Senior Engineers sitzen am Tisch. Ihnen gegenüber eine Phalanx aus Projektmanagern, Product Ownern und Abteilungsleitern – das klassische 3-zu-80-Verhältnis. Die Engineers sagen: „Das wird so nicht funktionieren, die Latenz ist zu hoch, die Architektur skaliert nicht.“ Die Manager nicken, lächeln und sagen: „Wir nehmen das als Action Item mit, aber wir müssen den Go-Live-Termin halten, um das Momentum nicht zu verlieren. Wir schaffen das schon.“
Natürlich kann ich PowerPoint. Ich entscheide mich nur dagegen, es zu benutzen. Nicht aus Trotz, sondern aus Erfahrung: Manche Werkzeuge fördern Klarheit, andere fördern Chaos. Und PowerPoint gehört, trotz Marktdominanz, leider zuverlässig zur zweiten Kategorie.
Wir kennen sie alle: die Projekte, in denen jede Erkenntnis als Angriff gilt und jede Lösung zu früh kommt. Wo Beratung nur willkommen ist, solange sie bestätigt, was man ohnehin schon weiß: "Wir haben’s schwer, und das ist gut so." Hier beginnt die Gefangenschaft in der Opferrolle – einer psychologisch bequemen, aber strategisch fatalen Haltung.
Als ich als Kind die Welt zu verstehen versuchte, schienen wissenschaftliche Erkenntnisse in Stein gemeißelt. Planeten kreisten in perfekten Bahnen, das menschliche Gehirn war eine festgelegte Maschine, und die Grenzen des Wissens schienen zum Greifen nah. Heute wissen wir: Nichts ist weniger wahr.
Wenn wir das Wort Basteln hören, denken viele an Kinderzimmer, Kleber und Pappe. Aber Basteln ist viel mehr: Es ist die ursprüngliche Form des Engineerings. Basteln ist der Zyklus: Idee → Machen → Anschauen → Lernen → Verbessern. Es geht um den Mut, etwas auszuprobieren, das Ergebnis kritisch zu betrachten und daraus den nächsten Schritt abzuleiten. Genau darin steckt der Kern jeder technischen Innovation – nicht im starren Plan, sondern im lebendigen Kreislauf.
Unsere Security-Abteilung, bevölkert von jungen, eifrigen Talenten und Praktikanten, die Koffein als Hauptnahrungsgruppe betrachten, hatte einen neuen Scanner ausgerollt. Dieses digitale Trüffelschwein wühlte sich durch unsere gesamten GitHub-Repos und stieß – Trommelwirbel – auf einen Commit von anno Tobak.
Das monotheistische Weltbild dominiert bis heute: ein Gott da oben, der alles erschafft, Regeln vorgibt und wie ein Oberingenieur über seine Schöpfung wacht. Praktisch, weil es so schön einfach klingt. Aber jeder, der sich ernsthaft mit Wissenschaft, mit Natur oder mit Handwerk beschäftigt, weiß: so funktioniert die Welt nicht.
Neulich stehe ich in meiner Küche, will mein „Shredder-Müesli“ bauen – Haferflocken, Banane, Proteinpulver, Hafermilch, einmal kurz durch den Mixer, fertig. Und während ich die Banane schäle, starre ich schon wieder auf diesen verdammten Bio-Aufkleber. Plastik. Auf der Schale. Direkt vorm Kompost.
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