Über den Umgang mit Handwaffen

Während meines Fahnenjunker-Lehrgangs im Frühjahr 1991 musste ich ein Funkgerät vom gefühlten Gewicht eines halben Kleinwagens von der Instandsetzung in mein Truppfahrzeug befördern. Zerstreut wie ich damals war, habe ich mein Gewehr G3 dort stehen lassen.

Das wurde mir dann vom Oberfeldwebel Z. nachgetragen mit der – völlig berechtigten – Aufforderung, doch eine DIN-A4-Seite schriftliche Ausarbeitung zu schreiben. Schreiben war schon damals eine Beschäftigung, der ich gerne nachgegangen bin. Und so habe ich gleich den nächsten Einlauf kassiert. Denn der Text entsprach nicht den literarischen Anforderungen des militärisch ausgebildeten Fachmanns. Heute habe ich ihn beim Aufräumen wiedergefunden (hier in aktueller Rechtschreibung):

Über den Umgang mit Handwaffen

Man unterscheidet prinzipiell zwei Arten von Handwaffen: geladene und ungeladene. Geladene Waffen behandelt man so, daß sich kein Schuss versehentlich lösen kann. Wenn er sich dennoch löst (der Schuss), soll wenigstens niemand dabei zu Schaden kommen. Ungeladene Waffen behandelt man genauso.

Wo, wird nun der aufmerksame Leser fragen, ist jetzt der Unterschied? Den kann nämlich auch der Fachmann nicht ohne weiteres erkennen, weshalb auch nicht wenige Unfälle mit Schusswaffen auf die Tatsache zurückzuführen sind, dass der Ladezustand unbekannt war (danach war er nämlich jeweils bekannt). Für den interessierten Laien ist die Erfahrung, dass sich eine Patrone im Patronenlager befinden kann – nicht aber sollte – wichtig.

Dass sich nun die Waffe, sei sie geladen oder nicht, in die Hände unseres vielleicht allzusehr interessierten Laien, aufgrund eines Missgeschicks oder ganz anderer Umstände, gelangt, lässt sich auf genau zwei Möglichkeiten vermeiden. Deren eine ist die vollkommene Nichtexistenz (Nichtsein) der Waffe selbst.

Da wir diese Möglichkeit getrost ausschließen können und damit die nominale Wesenheit (das Sein) zwangsläufig annehmen müssen, gelangen wir zu einem Schluss, der nun dem Fachmann, der mit all seinen Erkenntnissen dem, wenn auch interessierten Laien gegenübersteht, einleuchten muss und gleichzeitig als Warnung für sein weiteres Leben dienen möge: Gib niemals eine Waffe aus deinen Händen!

Achtlos weggelegtes Gewehr, Ladezustand unbekannt (Symbolbild)

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